Tagung Siedlungsabfallwirtschaft Magdeburg

20. und 21. September 2017

9. Tagung Siedlungsabfallwirtschaft 2004
"Nachhaltige Entsorgung 2005 ff"

Die nachhaltigste Entsorgung ist zweifellos die, die durch Abfallvermeidung und -verminderung gar nicht erst stattfinden muss. Trotzdem oder gerade deswegen widmeten sich die Themen vorrangig nachhaltigen Verwertungs-, Behandlungs- und Beseitigungsstrategien.
 
Teilweise provokante Fragestellungen animierten zum aufmerksamen Zuhören und Diskutieren: Ist die Getrenntsammlung von Wertstoffen,
inklusive Bioabfall, wirklich nur unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten bei dem steigenden Kostendruck einer nach 2005 teurer werdenden Entsorgung in die Diskussion geraten? Oder kann der Ruf nach einem Ein-Tonnen-System unter Nutzung moderner Sortiertechniken auch - vielleicht sogar deutliche - ökologische Vorteile bringen? Wie können Deponien umweltgerecht und ökonomisch verträglich aus der Entsorgungskette entlassen werden? Wird der politische Wille, den lange angekündigten Paradigmenwechsel von der Abfallablagerung zur Abfallbehandlung punktgenau zu vollziehen, wirklich durchsetzbar sein oder werden (wieder) diejenigen bestraft, die ihre Hausaufgaben gemacht haben?
 
Anregungen, Ansätze und Angebote, die sicherlich nicht pauschale Gültigkeit besitzen aber Grundlage für eine ausgiebige Diskussion sein sollten, bot das Programm in vielfältiger Form.
 
Der erste Veranstaltungstag wurde dabei von den Schwerpunkten "Siedlungsabfallwirtschaft - Stand und Entwicklung", "Wie viel Getrenntsammlung braucht eine nachhaltige Verwertung?" und "Nachhaltige Entsorgung von Verpackungen" bestimmt.

Der Rektor der Universität, Magnifizenz Prof. Pollmann ließ es sich traditionell nicht nehmen, die Tagung Siedlungsabfallwirtschaft zu eröffnen und in diesem Zusammenhang auf die Stärken der Bildungseinrichtung, dabei insbesondere auf den überaus erfolgreichen Studiengang Wirtschaftingenieurwesen Logistik zu verweisen, der in besonderer Weise moderne, praxisorientierte Ausbildungsinhalte und interdisziplinäre Arbeitsweisen verbindet.
Sachsen-Anhalts Umweltministerin Petra Wernicke begrüßte die Teilnehmer namens des Ministerium. Gleichzeitig zeichnete sie ein Bild der aktuellen Situation im Land: Da ab dem 1. Juni 2005 Abfälle nur noch dann auf Deponien gelagert werden, wenn sie thermisch oder mechanisch-biologisch vorbehandelt wurden und gleichzeitig die Deponievorschriften strenger werden (Abfallablagerungsverordnung des Bundes) dürfen 22 von 26 Hausmülldeponien in Sachsen-Anhalt dann nicht mehr betrieben werden. Es werden derzeit drei Müllverbrennungsanlagen gebaut (Magdeburg, Zorbau, Leuna). Die Anlage in Halle sei geplant. Zur Gewährleistung der Entsorgungssicherheit würden außerdem Anlagen zur mechanisch-biologischen Abfallbehandlung und zur Mitverbrennung von Abfällen beitragen.
 
Dr. Schnurer, Abteilungsleiter Abfallwirtschaft im Bundesministerium für Umweltschutz, als immer wieder gern gesehener Gast der Veranstaltung machte deutlich, dass es in Bezug auf die Durchsetzung der Abfallablagerungsverordnung keine Ausnahmegenehmigungen oder Fristverlängerungen geben werde und dass es das strategische Ziel sei, spätestens im Jahr 2020 den Deponieausstieg zu erreichen. Außerdem informierte er darüber, dass gegenwärtig zahlreiche EU-Richtlinien zur Abfallwirtschaft diskutiert oder überarbeitet werden (z.B. zur Verwertung von Bioabfällen).
 
Nach dem letzten Vortrag am ersten Tag konnten die Gäste zwischen einem geführten Stadtrundgang durch das historische Magdeburg und einer Besichtigung der Großbaustelle Müllheizkraftwerk Rothensee wählen. Danach traf man sich in geselliger Runde im Klostercafé des Klosters Unser Lieben Frauen. Gestärkt durch kulinarische Köstlichkeiten und umrahmt von Liedern der Gruppe "Simmervier" entwickelte sich ein reger Gedankenaustausch zu dem am Tag Gehörten, zu Problemen des Alltagsgeschäftes, zu Träumen und Visionen der Abfallwirtschaft und der AbfallwirtschaftlerInnen.
 
Auch der zweite Veranstaltungstag wurde von drei Schwerpunkten getragen: "Thermische Abfallbehandlung", "Umweltgerechter Abschluss, Nachsorge und -nutzung von Deponien" und "Logistiklösungen für 2005". Hier wurden u.a. Bedenken in Bezug auf vergleichbare Standards der Abfallentsorgung des erweiterten Wirtschaftsraumes der EU und im Hinblick auf die weitere Verbringung von Abfällen auf die Deponien unter dem Deckmantel der Verwertung geäußert.
 
Zum Abschluss der Tagung präsentierten Studenten des Studienganges Wirtschaftsingenieurwesen Logistik Ergebnisse der Projektarbeit "Abfallaufkommensprognosen in Sachsen-Anhalt". Das Auditorium würdigte dabei insbesondere die Vortragsweise und die Präsentation der studentischen Arbeit, die keinesfalls den Vergleich zu den Referenten scheuen brauchten.

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Ansprechpartner: Hartwig Haase | Letzte Änderung: 2013-06-18