Tagung Siedlungsabfallwirtschaft Magdeburg

20. und 21. September 2017

12. Tagung Siedlungsabfallwirtschaft 2007
"Abfall - Analysen, Alternativen, Antworten"


Die TASIMA12, die 12. Tagung Siedlungsabfallwirtschaft Magdeburg fand am 19. und 20. September 2007 im Ratswaage-Hotel Magdeburg statt und hat sich mittlerweile als Treffpunkt zum Erfahrungsaustausch, Wissenstransfer und zum persönlichen Kennenlernen von Abfallwirtschaftlern im Land Sachsen-Anhalt und über die Landes- und Bundesgrenzen hinaus etabliert. Die Veranstaltung wird getragen vom Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt des Land Sachsen-Anhalt, von der Müllheizkraftwerk Rothensee GmbH und vom Institut für Logistik und Materialflusstechnik der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (siehe Bild 1).
2007 hatten sich 150 Teilnehmer von kommunalen und privatwirtschaftlich betriebenen Abfallwirtschaftsunternehmen, Behörden, Forschungseinrichtungen, Ingenieurbüros und Technikherstellern angemeldet.

Unter dem Motto „Abfall - Analysen, Alternativen, Antworten“ standen 2007 u. a. die derzeit in den Medien stark diskutierten Themen Ressourcenknappheit und Klimaschutz auf dem Programm. Diese Themen sind für Abfallwirtschaftler seit Jahren Tagesgeschäft. Die Ziele der Kreislauf- und Ressourcenwirtschaft sind fest in den juristischen Grundlagen verankert. Entsorger werden immer mehr zu „Wert-, Brennstoff- und Energiemaklern“. Auch zum Thema Klimaschutz hat - zumindest die deutsche - Abfallwirtschaft nicht erst nach dem 4. IPCC-Klimabericht ihren nicht unerheblichen Beitrag zur Reduzierung der Treibhausgase geleistet (siehe weiter unten). Die Themen der diesjährigen Tagung haben aber auch gezeigt, dass Wertstoffmanagement, Effizienzsteigerung, Qualitätssicherung und hohe Standards für die Verwertung von Abfällen weiterhin Anforderungen für die Akteure der Siedlungsabfallwirtschaft darstellen.

Die Umweltministerin und Mitveranstalterin der Tagung, Frau Petra Wernicke konnte einleitend auf eine gesicherte, hochwertige Abfallentsorgung im Bundesland Sachsen-Anhalt verweisen. Ein Spezialproblem wird in einer abfallwirtschaftlichen „Altlast“ des Landes, der Deponie Halle-Lochau gesehen, die in dieser Dimension vor allem unter der Hauptzielstellung der Langzeitsicherheit bundesweit einmalig ist. Ein 5-jähriges Forschungsprojekt soll hier technologisches Neuland betreten und die umweltgerechte Sicherung der Deponie ermöglichen. Weitere Schwerpunkte waren die Strategien des Landes Sachsen-Anhalt zu den Themen Klimaschutz und regenerative Energien.

Dr. Horst Schnellhardt, Mitglied des Europäischen Parlaments, berichtete aus erster Hand über den aktuellen Stand der Novellierung der europäischen Abfallrahmenrichtlinie. Die abfallwirtschaftliche Entwicklung - von der Abfallwirtschaft über die Kreislaufwirtschaft zur Ressourceneffizienz - als wichtiger Bestandteil auf dem Weg zu einer nachhaltigen ökologischen Marktwirtschaft bildete einen Schwerpunkt des Beitrags von Herrn Dr. Rummler vom Bundesumweltministerium. Deutschland kann bei seinem sehr guten Entwicklungstand hier auch wirtschaftlich punkten, Beispiel ist dabei die „Exportinitiative Recycling- und Energieeffizienz“.

Herr Prof. Troge, Präsident des Umweltbundesamtes, musste leider aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen. Sein Skript wurde im Tagungsband veröffentlicht und stellvertretend von Herrn Dr. Angrick vom Umweltbundesamt erläutert. Nach einer Studie des Öko-Institutes aus dem Jahre 2005 leistete die Abfallwirtschaft mit 46 Mio. t CO2-Äquivalenten Emissionsminderung zwischen 1990 und 2005 einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz (vgl. 256 Mio. t CO2-Äquivalente Gesamtreduzierungsziel für Deutschland nach dem Burden-Sharing-Abkommen).

Einen großen Schwerpunkt 2007 bildeten mehrere Beiträge zur Verwertung von Abfällen:
>> Dr. Rainer Cosson, BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft, Berlin, erläuterte die Stellung der privaten Entsorgungswirtschaft im weltweiten Ressourcenmarkt.
>> Dr. habil. Thomas Probst, bvse - Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V., Bonn, gab mit „Stoffströmen, Zahlen, Perspektiven“ Informationen zum Sekundärrohstoffmarkt.
>> Frau Karin Opphard, Geschäftführerin des VKS im VKU Köln, gab eine Einschätzung zur Novellierung der Verpackungsverordnung aus kommunaler Sicht.
Besonderen Charme hatte, dass fast zeitgleich zum Vortrag im Bundestag in Berlin die Novelle der Verpackungsverordnung verabschiedet wurde.

Die Entwicklungen im Entsorgungsmarkt wurden durch Prof. Thomé-Kozmiensky durch 14 Thesen thematisiert. Im Gegensatz zu Herrn Dr. Cosson (BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft, Berlin), der die Vorteile der privaten Entsorger in einer freien Marktwirtschaft darstellte, zeigte Herr RA Hartmut Gaßner ([Gaßner, Groth, Siederer & Coll.] Berlin) und Herr Björn Klippel (TIM CONSULT GmbH, Mannheim) in ihren Vorträgen Potentiale und Möglichkeiten der Rekommunalisierung von Entsorgungsdienstleistungen und gaben Hinweise, wie kommunales Insourcing in zukunftsfähigen Modellen umgesetzt werden kann.

Eine effiziente, geschickt in komplexe Entsorgungskonzepte integrierte und auf hohem Niveau stattfindende Abfallbehandlung durch die beiden - wie Prof. Thomé-Kozmiensky formuliert - ungleichen Geschwister MVA und EBS-Kraftwerke wurde in zwei speziellen Vortragsblöcken thematisiert. Für die thermische Abfallbehandlung gab Herr Ferdinand Kleppmann (Cewep - Confederation of European Waste-to-Energy Plants e.V.) einen umfangreichen Überblick über den Stand in Europa. Besondere Brisanz hatten die Erläuterungen des Vortrages „Effizienzsteigerung bei der Abfallverbrennung“ der Bauhaus-Universität (Herr S. Krüger und Prof. Dr.-Ing. M. Beckmann) im Hinblick auf die Regelungen der Europäischen Abfallrahmenrichtlinie zur Einrodung der Abfallverbrennung in die Verwertung oder die Beseitigung (Einführung eines Effizienzkriteriums für Verbrennungsanlagen von 60 % für alte und 65 % für neue Anlagen).

Der Themenblock Ersatzbrennstoffe hatte folgende Schwerpunkte:
>> Prof. Dr.-Ing. Sabine Flamme, Fachhochschule Münster / BGS e.V., sprach zum Thema Qualitätsanforderungen und Qualitätssicherung für Ersatzbrennstoffe.
>> Dr. Volker Kunze und Ulf Bechstein, Kreiswerke Delitzsch GmbH, erläuterte die Herstellung von Ersatzbrennstoffen für unterschiedliche Anwendungen und
>> Dr. Dirk Zachäus, BKB AG, Helmstedt, stellte mit geplanten EBS-Kraftwerke vor, wie die BKB AG auf veränderte Marktbedingungen reagierte.
Die Thematik mineralische Abfälle konnte in enger Zusammenarbeit mit der Fördergemeinschaft Kreislaufwirtschaft e.V. ausgestaltet werden. Nach den rechtlichen Grundlagen, die Herr Wagner vom Bundesumweltministerium erläuterte, standen Praxisbeispiele, vorgetragen von Herrn Dr. Grahlert (LUS GmbH) und Herrn Rohde (STORK Umweltdienste GmbH) im Vordergrund des abschließenden Vortragsblockes.

Die Tagungsgäste wurden wieder wie gewohnt hervorragend durch das vom ILM organisierte Tagungsbüro betreut. Eine Umfrage ergab zu der inhaltlichen und organisatorischen Ausgestaltung der Tagung eine durchweg positive Resonanz. Neben den Gesprächs- und Kontaktmöglichkeiten in den Tagungspausen mit einer Posterausstellung im Hotelfoyer (siehe Bild 4) regte die Abendveranstaltung in der Kulturfestung Mark am Abend des ersten Veranstaltungstages zur Diskussion an.

Die wissenschaftlichen Beiträge sind im Begleitband der Fachtagung veröffentlicht und können über den LOGiSCH-Verlag oder den Buchhandel erworben werden (ISBN 978-3-930385-64-5).

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Ansprechpartner: Hartwig Haase | Letzte Änderung: 2013-06-18