Tagung Siedlungsabfallwirtschaft Magdeburg

18. und 19. September 2019

22. Tagung Siedlungsabfallwirtschaft 2017
"Kreislaufwirtschaft. Wir schaffen das?!"

Am 20. und 21. September trafen sich wieder fast 200 Experten aus Deutschland zur 22. Tagung Siedlungsabfallwirtschaft Magdeburg, die gemeinsam vom Umweltministerium des Landes Sachsen-Anhalt, der MHKW Rothensee GmbH, der Hochschule Magdeburg-Stendal und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg veranstaltet wird.

Als Keynotespeaker mahnte Prof. Welzer an „wer den zivilisatorischen Standard erhalten oder besser noch ausbauen will, der sich in Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Bildungs-, Gesundheits- und Sozialversorgung und eben in Freiheit verkörpert, muss … unausweichlich eine ökologisch verträgliche Wirtschaftsweise entwickeln“… „Aber gegenwärtig geschieht das exakte Gegenteil. Der globale Siegeszug des wachstumswirtschaftlichen Kapitalismus bedeutet, dass nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsformen in rasender Geschwindigkeit durch nicht-nachhaltige ausgetauscht werden.“ Schwierig, sich nach seinem Vortrag wieder den „Alltagsproblemen“ der Abfallwirtschaft zuzuwenden.

 

Was hatte die Veranstalter zur Auswahl des Titels 2017 bewogen? Deutschland hat auf dem Gebiet des Recyclings und der Kreislaufführung von Stoffen  – auch aus Gründen mangelnder eigener Rohstoffe – weltweit und zweifelsfrei eine führende Position eingenommen. Trotzdem kommt Professor Bachmann, Leiter der Geschäftsstelle des Rates für Nachhaltige Entwicklung und Referent im Vorjahr, zu der Aussage „Deutschland hat keine Kreislaufwirtschaft“.

 

Ein neues Wertstoffgesetz scheitert an Streitigkeiten über Kompetenz und Zuständigkeiten zwischen privatwirtschaftlichen und kommunalen Akteuren. Die Thematik ist so kompliziert geworden, dass nur noch Experten und vielfach Juristen die umfangreiche Gesetzgebung durchdringen und umsetzen können. Gutachten und Gerichtsurteile spielen neben technischen und logistischen Innovationen eine immer wichtigere Rolle in der Abfallwirtschaft.

 

Es fehlen verbraucherfreundliche, für den Bürger leicht verständliche Möglichkeiten der Getrennterfassung. Konsumorientierte Lebensweise und einhergehende billige Massenproduktion führen zu einer Plastikwelt mit einem rekordverdächtigen Abfallaufkommen.

 

Gelingt es, das Abfallaufkommen vom Wirtschaftswachstum abzukoppeln, wie Dr. Jaron vom Bundesumweltministerium gefordert hat? Wir reden viel über Recycling aber wenig über Vermeidung. Vermeidung müsste aber bei uns selbst, bei unserem Verhalten und unseren (Kauf-)Entscheidungen ansetzen und ist nicht unbedingt „wachstumskonform“. Eine Frage in der Podiumsdiskussion „By Design or By Desaster!“ war, wer hierfür die Verantwortung hat und übernimmt. Ist nur der verantwortungsbewusste Konsument gefordert oder haben Handel und politisch gesetzte Rahmenbedingungen dafür zu sorgen, dass der Kunde ein nachhaltiges Produkt unbesorgt aus dem Regal nehmen kann? Sind die Produkte nachhaltig gestaltet?

 

Diese Aufzählung zeigt, dass es in der Siedlungsabfallwirtschaft genügend Diskussionsstoff sowie wichtige Entwicklungen in den Technologien und Märkten gibt.

 

Sehr unterhaltsam leitete Professor Harald Meller vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie den stimmungsvollen Abend in der FestungMark ein mit den detektivischen Untersuchungen der Abfallgruben an Luthers Wohnorten und seinen Rückschlüssen auf das Alltagsleben der Familie Luther.

 

Nachdem die Stadt eine Ersatzpflanzung für eine dem Sturmtief Paul zum Opfer gefallene Robinie auf dem Ratswaagevorplatz abgelehnt hat, hat die TASIMA in guter Tradition auch 2017 wieder für jeden Tagungsteilnehmer ein Baum an die Schülerinitiative PLANT FOR THE PLANET gespendet und einen kleinen direkten Beitrag zum Thema Klimaschutz leisten.
Die wissenschaftlichen Beiträge sind im Begleitband der Fachtagung veröffentlicht und können über den LOGiSCH-Verlag oder den Buchhandel erworben werden (ISBN 978-3-930385-99-7).

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Ansprechpartner: Hartwig Haase | Letzte Änderung: 2018-11-13